Wie die KI uns beherrscht
Philosophischer Tag an der WvO
Für die einen die letzte „Erfindung der Menschheit” – für die anderen die „KI-Katastrophe”. Sollte das menschliche Denken und Arbeiten durch Maschinen ersetzt werden? Wollen wir in einer solchen Welt leben? In diesem Spannungsverhältnis hat sich der Jahrgang 10 – über 120 Schüler – einen ganzen Schultag lang mit den aktuellen Entwicklungen der KI in zehn Workshops befasst.
Inhalich konnten die Jugendlichen aus einem bunten Strauß an Themen auswählen, u.a. Musik, „Deepfakes”, Medizin, Religion, Militär/Krieg, Biologie standen auf dem Programm.
Die Jugendlichen haben nicht nur Positionen, Ideen uind Konzepte kennengelernt und erarbeitet, sondern auch Konkretes ausprobiert. Einige Workshops haben z.B. ein Video oder ein Musikstück mit Hilfe der KI erstellt – alles 100% künstlich. Die Veranstaltung wurde durch die Fachschaft Ethik unter der Federführung der Fachsprecherin Julia Silbermann organisiert. Frau Silbermann hat auch für die fachliche Expertise von außen gesorgt. Herr Dr. Jonathan Lenz – Humanbiologe an der Universität – hat den Workshop „KI-Einsatz in der Biologie” geleitet.
Nach der Workshop-Arbeit am Vormittag kamen alle Schüler in der gemeinsamen Abschlussrunde zusammen. Schon in den einzelnen Gruppen hat sich herauskristallisiert, dass die KI Chancen und Risiken mit sich bringt. Zu den ganz praktischen Vorteilen zählen u.a. Geld- und Zeitersparnis, Arbeitserleichterung, Aktualität (z.B. Navigationsgeräte), Bequemlichkeit, Unterhaltung, Überwindung von Sprachbarrierren usw.
Aus der ethischen Sicht könnte man die Entlastung, Erleichterung des Alltags, Steigerung der Lebensqualität und ggf. des Wohlstandes positiv sehen. Die Beschleunigung bzw. Demokratisierung des Wissensaustausches und eine bessere Strukturierung des Wissens, besseren Wissenszugang – was möglicherweise die Entscheidungsfindung vereinfacht und den Stress minimieren könnte – sind ebenfalls positiv zu werten.
Zu den KI-Nachteilen aus ethischer Sicht, die bei den Workshops deutlich wurden, gehören: Verlust von menschlicher Autonomie und Freiheit, Manipulation und Desinformation, Überwachung und der Verlust der Privatsphäre, fehlende Transparenz und Verantwortlichkeit sowie Verzerrungen und mögliche Diskriminierungen.
In der echten „analogen” Welt können wir (noch) gut zwischen echt und künstlich, real und irreal, richtig und falsch unterscheiden. Im Internet und in der digitalen Welt verschwimmen hingegen diese Grenzen. Dies führt oft zu großer Unsicherheit.
Die KI nimmt uns die Arbeit und das Denken ab; zwei wesentliche Faktoren, die uns Menschen ausmachen. Was bleibt also von uns als Mensch? Werden wir überflüssig?
Wird die KI solche Eigenschaften wie Bewusstsein oder den freien Willen besitzen? Bis vor wenigen Jahren wurde diese Frage mit einem klaren NEIN beantwortet. Heute sind sich viele Philosophen und KI-Entwickler nicht mehr so sicher. Zum Beispiel wurde in den letzten Jahren darauf hingewiesen, dass Sprechen, Denken und so etwas wie das Fühlen bzw. Empathie auch bei Programmen oder Chatbots vorkommen könnten. Also Eigenschaften, die bisher eigentlich nur dem Menschen und keinem Tier oder Maschinensystem eigen waren, besäße nun auch die KI.
Dies sind nur einige ethische Herausforderungen, die die KI mit sich bringt und auch beim Philosophischen Tag angesprochen wurden.
Die Schülerstimmen über den Philosophischen Tag waren unterschiedlich, aber nach Auswertung der Rückmeldungen fast ausschließlich positiv:
„Ich fand den Pilosophischen Tag super, weil man sich in viele Themenfelder einwählen konnte. Unbedingte Empfehlung fürs nächste Jahr.”
„Es war in Ordnung. Mein Lieblingsthema war schon weg. Es gab zu lange Gespräche und wir haben zu wenig selbst gemacht. Es hätte etwas energiereicher sein können. An sich aber eine gute Idee.”
„Finde es ziemlich unnötig, habe heute absolut gar nix gelernt.”
„Ich fand es richtig cool: viel Austausch, spannende Arbeitsaufträge und gutes Arbeitsklima.”
„Wow - das war eine supertolle Erfahrung. Der Tag – echt super und lehrreich.”
„Es war wirklich hilfreich - eine coole Abwechslung.”
„Auf jeden Fall 2027 wiederholen! Der Tag hat mich zum Nachdenken gebracht. Man hat angefangen, Dinge in einem anderen Blickwinkel zu sehen.”
- 2026
- copyright Text: Paul Sajon, WvO
- copyright Foto: Paul Sajon, WvO